Raster-Elektronenmikroskop

Wir alle kennen die wunderschönen Bilder aus der Mikrowelt, die uns Raster-Elektronenmikroskope liefern. Vor Kurzem sollte ich meiner Enkeltochter (11) erklären, wie ein solches Mikroskop arbeitet. Für mich kein Problem, hatte ich doch vor 40 Jahren an der TU Dresden mein Physikdiplom an einem solchen Gerät gemacht! Aber was hat das mit Fotografie zu tun? Sehr viel, denn als das erste Raster-Elektronenmikroskop der japanischen Firma JEOL (das JSM-1, mit dem diese Bilder entstanden sind) im Jahre 1966 gebaut wurde, gab es noch keine digitalen Speichermöglichkeiten für Bilddaten. Es gab auch noch keine “Personal Computer”, die ganze Welt war “analog”. Trotzdem konnte man die wunderbaren Bilder dieser Elektronenmikroskope in hoher Auflösung speichern…

…indem man das Bild einfach mit einer Kleinbildkamera von einer Kathodenstrahl-Röhre abfotografierte! Die Kamera konnte dafür mit einem lichtdichten Tubus präzise vor den Foto-Bildschirm geschwenkt werden (Pfeil).
Um die volle Auflösung des Films auszuschöpfen, verfügten die Geräte über zwei Bildschirme – rechts einen “schnellen” für die visuelle Beobachtung und links einen “langsamen”, aber sehr hoch auflösenden, für die Kamera (Pfeil).

Neben meiner wissenschaftlichen Tätigkeit hatte ich Ende der 1970er Jahre als Student natürlich auch Gelegenheit, das wohl bekannteste Motiv der Raster-Elektronenmikroskopie – das Facettenauge einer gewöhnlichen Stubenfliege – für meine persönliche fotografische Sammlung in verschiedenen Vergrößerungen “abzulichten”.
Die Qualität der vor 40 Jahren auf ORWO NP20 Kleinbildfilm angefertigten Aufnahmen hält einen Vergleich mit modernen Digitalfotos durchaus stand!

(Das JSM-1 war das erste kommerziell produzierte Raster-Elektronenmikroskop der Fa. JEOL. Es hatte bei einer Betriebsspannung von 25 kV eine Auflösung von ca. 250 Angstöm (1 Angström ist etwa ein Atomdurchmesser) und eine max. Vergrößerung von 30.000x)

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